Lukasz Gadowski über die große Web-2.0-Keule
Veröffentlicht am 10. April 2007 um 15:46 Uhr von Carmen Ullrich-Nolte

Lukasz Gadowski spricht im Track Vom E-Business zum Me-Business. Ein Interview.
Warum ist das Spreadshirt-Geschäftsmodell so erfolgreich, seinen Kunden einen Teil der Herstellung zu überlassen?
Lukasz Gadowski: Weil unsere Kunden einerseits das T-Shirt als Medium entdeckt haben und dass man da ohne großen Aufwand viele bunte lustige Sachen draufdrucken lassen kann - und wahrscheinlich, weil sie satt hatten, dass ihnen andere vorschreiben, was cool und lustig ist. Ich glaube, das würde ich jetzt vereinfacht so stehen lassen.
Natürlich könnte man jetzt wieder die große Web-2.0-Keule rausholen und sagen, dass wir den Long Tail reiten: "Demokratisierung der Produktionsmittel", Vereinfachung der technischen Infrastruktur, Verringerung der Kosten, user-generated Content, Do-it-yourself, Me-Commerce, Social Commerce, äh - fehlt noch was Wichtiges?
Wie werden die Spreadshirt-Nutzer in die Aspekte und Abläufe des Unternehmens eingebunden?
Also das wichtigste und zentrale Element ist sicher die Erstellung der Produkt-Designs und der Shops. Aber auch das Spreadshirt-Logo wurde von Nutzern gestaltet, weil wir das für einen besseren Ansatz hielten, als eine Agentur zu beauftragen - und weil es Spaß gemacht hat.
Wir versuchen immer, unsere Nutzer da mit einzubeziehen, wo das sinnvoll ist und natürlich auch zur Kundenbindung beiträgt. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass wir die Prozesse zulasten der Kunden verlagern, wie man das von der IKEA- oder Pfandflaschenfront hört: Bei Spreadshirt arbeiten im Service, in der Produktion "echte Menschen" daran, die eingereichten Designs unserer Partner von Hand auf einzelne T-Shirts zu bringen.
Was ist das Positive an der Entwicklung vom E-Commerce zum Me-Commerce?
Ich denke das Zwischenmenschliche. Im Grunde war guter E-Commerce ja auch schon in den letzten Jahren zwischenmenschlich. Aber das Entscheidende beim Me-Commerce finde ich ist, dass es für den Einzelnen einfacher geworden ist, selbst etwas Eigenes zu kreieren und anzubieten.
Welche Business-Ideen unterstützen Sie am liebsten?
Ich schaue mir vor allem die an, bei welchen das Gründerteam eine hohe Kompetenz austrahlt – wenn ich das Gefühl habe, die wissen, wovon sie reden. Und natürlich jene, welche mir über mein Netzwerk empfohlen werden.
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