Rowan Barnett … über Real Life und Second Life

Veröffentlicht am 19. April 2007 um 15:15 Uhr von Carmen Ullrich-Nolte

Rowan Barnett spricht auf der next07 im Track „Parallelwelten“ über sein Leben „Zwischen Real Life und Second Life“. Ein Interview.

Wie unterscheidet sich die Arbeit in Second Life vom Alltag eines Journalisten im realen Leben?
Rowan Barnett: Es fühlt sich überraschend normal an, als virtueller Reporter zu arbeiten. Letztendlich, eine Zeitung in Second Life zu machen ist nicht so anders wie eine Zeitung im echten Leben. Wie man einen Artikel in Second Life recherchiert und schreibt, unterscheidet sich handwerklich kaum von der realen Welt. The AvaStar ist eine professionelle Zeitung - deswegen gelten die klassischen journalistischen Standards.

Die kleinen Unterschiede sind, dass ich wenig mit meiner Redaktion telefoniere, und wenige Redakteure habe ich persönlich kennen gelernt - die anderen kenne ich nur als Avatare. Viele haben uns ihre Lebensläufe geschickt, bevor sie für The AvaStar geschrieben haben, andere wollten ihre echte Identität schützen und uns nur Leseproben zuschicken. Dafür kommunizieren wir über Chat oder E-Mail von Avatar zu Avatar bei den Redaktionskonferenzen in Second Life.

Am Ende des Tages ist es wichtig, dass jemand die Qualitätsstandards erfüllt. Das zählt bei uns, wie bei anderen Zeitungen auch.

Sie haben die Vision einer "3-D-Zeitung zum Drin-Herumlaufen" - wie kann man sich diese Zeitschrift vorstellen?
Es sollte als Metapher gesehen werden. Redaktionelle Beiträge werden sicherlich immer in 2D dargestellt werden, da es einfach effizienter ist. Aber Unterhaltungsangebote könnte man in 3D-Plattformen übertragen und damit ein neues Erlebnis für den Nutzer schaffen. Langfristig wird es hier neue Möglichkeiten geben, die den Nutzern einen intuitiveren Zugang zu weiteren Services bieten.

Kommen die Beiträge ausschließlich durch journalistische Profis zustande, oder schreiben auch Bürgerjournalisten mit?
Wir haben ein Team von mehreren Journalisten in Berlin und dazu eine Redaktion von über 20 Bürgerjournalisten in Second Life. Als wir das Projekt angefangen haben, war es wichtig für die Zeitung, dass wir nicht nur Journalisten in SL akquirieren, sondern auch die Experten von SL - das heißt, die Top-Designer, Architekten und Pioniere, die schon viel in der Welt erlebt hatten und auch bekannt sind. Unter den Bürgerjournalisten sind auch viele echte Journalisten - aber natürlich bleibt die redaktionelle Hoheit bei den professionellen Journalisten in Berlin.

Wenn Sie eine eigene virtuelle Parallelwelt erschaffen würden, wie würde diese aussehen, und nach welchen Gesetzen würde dort gelebt?
Second Life hat vieles richtig gemacht, aber es ist längst keine perfekte virtuelle Welt. Die sehr wichtige Integration von HTML fehlt, die Regeln sind unklar und nicht ausreichend und die Grafik muss verbessert werden. Die Welt muss sich grundsätzlich noch mehr als Plattform für V-Business entwickeln. Aber es sollten, so wie Linden Lab es gemacht hat, die Gesetze mehr oder weniger von der Community bestimmt werden - die Welt muss 100 Prozent User-Generated bleiben, und die Software Open Source.

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Rowan Barnett, Sprecher im Track Parallelwelten

Veröffentlicht am 19. April 2007 um 15:11 Uhr von Carmen Ullrich-Nolte

Regis Braathens (Foto: SL-News.net)

Rowan Barnett aka Regis Braathens ist Redaktionsleiter von The AvaStar, erstes Boulevard-Wochenmagazin in Second Life und soeben bei den Lead Awards 2007 in der Kategorie "Webleader des Jahres" gekürt.

Barnett (26) ist seit Oktober 2006 für The AvaStar tätig. Er arbeitet seit drei Jahren bei Axel Springer und war gerade bei Bild.T-Online im User-Generated-Content-Bereich beschäftigt, als das Unternehmen beschloss, in Second Life eine Zeitung zu gründen. Dort sind aktuell über fünf Millionen Einwohner als virtuelle Figuren registriert, tausende Firmen vertreiben ihre Produkte.

The AvaStar ist für Bild.T-Online ein Experiment, um die Möglichkeiten von User-Generated-Content zu testen, um Erfahrung in Virtuellen Welten zu sammeln und um neue Geschäftsmodelle auszuprobieren. Die Zeitung bietet den Residents auf rund 30 Seiten umfassende Informationen über das Leben in der virtuellen Welt, mit Nachrichten, Business, Celebrity & Gossip, Style & Fashion, Travel und Entertainment. The AvaStar will für die Leser ein Leitfaden sein und vor allem Neueinsteigern die Orientierung in der Second Life-Umgebung erleichtern.

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