Das Internet findet wieder zu sich selbst: vom read-only zum writable Web.
Keynote: Dr. Andreas Weigend, Weigend Associates LLC, ehemaliger Chief Scientist
von Amazon.com

Kleine Blog- und Presseschau

Veröffentlicht am 16. Mai 2006 um 18:10 Uhr von Martin Recke

Wohl den besten Überblick über Konferenz und Thema hat Oliver Gassner verfasst und bei Gadgetmania publiziert, nachdem es im Print nicht so recht gelingen wollte: Web 2.0 für Anfänger.

Eine gewisse Dramatik stellt Jochen Krisch fest, hat sie zugleich vermisst und in einigen Momenten aufblitzen sehen, zum Beispiel bei Keynote-Speaker Andreas Weigend:

Bezeichnend deshalb sein Ausruf gegen Ende der Veranstaltung: "Sagt mal, in was für einer Welt lebt ihr eigentlich?!" Dieser Satz kann auch ganz gut als Leitspruch für die Web 2.0 Diskussion hierzulande dienen, die mit einer erstaunlichen Gelassenheit, um nicht zu sagen: Blauäugigkeit, geführt wird.

Wenn überhaupt, dann ist in der Wirtschaft von einer "neuen Lust am Internet" die Rede. Das unterstreicht leider genau das, was viele derzeit noch im Web 2.0 sehen: eine nette Spielerei am Rande. Von der Dramatik, mit der andernorts auf diese "Rand-Erscheinung" reagiert wird, ist hierzulande keine Spur.

Martin Ax stellt im Hamburger Wirtschaftsteil der Welt eine Prognose auf und zitiert Matthias Schrader:

Preiswerte Plattformen wie die viel diskutierten Weblogs werden dafür sorgen, daß immer mehr die Nutzer selbst den Inhalt des Internets gestalten werden - nicht kommerzielle Profis. "Unternehmen betreiben Customer Relationship Management, pflegen also die Beziehung zum Kunden. Umgekehrt versuchen Verbraucher, mit ihren Wünschen und Beschwerden Einfluß auf Unternehmen zu nehmen und die Kundenbeziehung von sich aus zu managen. Es wird spannend sein zu sehen, ob das eher zu einem Machtkampf oder zu einem Dialog zwischen Wirtschaft und Verbrauchern führt", sagt Schrader.

Die Party lässt er auch nicht unerwähnt.

ix in seiner nachschau:

erstaunlich, was man für ein echo erzeugen kann, wenn man ein paar tausend oder gar hunderttausend euro mit einer veranstaltung verbrennt, auf der man die halbe branche durchfüttert, fortbildet, abfüllt und eine plattform bietet.

Yep. Mit den Euro befassen sich jetzt Buchhaltung und Controlling, das Echo hingegen hält uns nach wie vor unter Dampf.

Experten wie Stefan Kellner beklagen nicht zu Unrecht den Mangel an Neuigkeiten:

Richtig Neues gab es für mich nicht viel. Nur, dass es mittlerweile immer mehr me-toos in Deutschland gibt, die erfolgreiche Dienste aus den USA kopieren. Warum auch nicht, viele Deutsche können mit englischsprachigen Diensten nichts anfangen und die Amis lokalisieren meistens nicht oder spät. Alando lässt grüßen. Ich warte allerdings immernoch auf bahnbrechende neue Ideen aus deutschen Landen.

Was mich etwas ärgert ist die Tatsache, dass viele Elemente der ursprünglichen Web*.0-Konzepte von den meisten Kopisten nicht verstanden wurden: offene Systeme, APIs, Selbstbestimmung der User, Freiheit von Informationen. Was da auf uns zukommt sind wieder die berühmten “Walled Gardens”, um User wegzusperren und zu monetarisieren.

Und Yves Luther zieht ein drastisches Fazit:

Die nächsten zehn Jahre werden bestimmt nicht von Deutschland aus gestaltet. Irgendwie checkt hier keiner die großen und hochgradig antikommerziellen Trends der Zukunft: Markenatomisierung. Das Technik, Kreativität und Inhalte absolut Commodity werden (überlegt mal, wer da alles über die Klinge springt). Die Lüge vom mobilen Internet. Die zunehmende und nur schwer zu entdeckende Zensur. Die Kriminalisierung von neuen Ideen, Technologien und demokratischen Interessen (aka Softwarepatente). Die globale Vergleichbarkeit von lokalem Kleingeist. Ach nee, willkommen in der Matrix.

Bei Spreeblick führt Johnny inzwischen die Schlussdiskussion weiter:

Meine Aussage auf der Konferenz, dass ich die Verwaltung eines möglicherweise irgendwann kommenden digitalen Identitätsnachweises, also eines „Internet-Ausweises“, auf keinen Fall Unternehmen wie Yahoo oder Google überlassen möchte, mag tatsächlich aus meinem Mund merkwürdig klingen, da ich ungern nach „dem Staat“ brülle.

Ein Denk-Kurzschluss war diese Aussage aber keineswegs.

Mehr bei Technorati, den ersten Teil der Blog- und Presseschau auf dem Fischmarkt.

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Bisherige Kommentare

1 | Exciting Commerce schrieb am 16.05.06 20:45

Danke für das Update und die Zusammenfassung in dieser Form. Damit werden tatsächlich nochmal einige der Aspekte angerissen und vertieft, die beim Kongress notgedrungenerweise zu kurz kommen mussten.

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